Ein sich selbst erhaltendes System, das immer weiterläuft, auch wenn niemand es bewusst antreibt – weil wir alle es mit unseren Gewohnheiten und Glaubenssätzen am Leben halten.
Oft genug kocht mein tiefer Groll gegen patriarchale Strukturen hoch. Situationen, in denen ich meinen innerlich längst erhobenen Mittelfinger externalisieren möchte:

– Der Vorstand lächelt mich milde an, während ich von den menschenunwürdigen Mustern seiner Organisation berichte.
– Der Geschäftsführer glaubt alles über meinen Job besser zu wissen – ohne jemals von systemischer Organisationsentwicklung gehört zu haben.
– Der Abteilungsleiter spricht abwertend über seine Kollegin und sonnt sich in Selbstgefälligkeit.
– Männer fördern Männer, ungeachtet ihrer Kompetenz, während hochqualifizierte Kolleginnen – spätestens als Mütter – unsichtbar werden.
– Manager versuchen durch demonstratives Desinteresse, weniger Mächtige zu verunsichern, nur um ihre Position zu sichern.
– Und gerade erst das Bild des Wirtschaftsgipfels: Eine homogene graue Männertruppe, eingerahmt von zwei bunten Frauen, die wie dekorative Blumenrabatten wirken.

Die Liste ist lang. Aber Wut löst das Problem nicht – sie macht den Graben nur größer. Und aktiviert Energie für Veränderung:

Da gibt es so viel, das wir tun können! Gleichzeitig brauchen wir einen lebenslangen Geduldsfaden.

//Sichtbarkeit und klare Stimme: Erfolge benennen, fachliches Standing nutzen, Grenzen setzen.
//Netzwerke und Koalition der Willigen: Frauen stärken Frauen – Verbündete suchen, die bereit sind, Macht zu teilen, gemeinsam auftreten und einander Rückendeckung geben.
//Muster sichtbar machen und stören: Ungeschriebene Regeln, Rituale und Machtspiele erkennen – und bewusst irritieren, damit Raum für Neues entsteht.
//Narrative ändern: Alte Geschichten hinterfragen, neue Führungsbilder vorleben.
//Systemische Fragen stellen: Wer profitiert davon, wie es jetzt ist? Was würde echte Veränderung erfordern?
//Feminismus als Werkzeug: Er öffnet den Blick für versteckte Machtstrukturen, hinterfragt Privilegien und schafft Räume, in denen neue Perspektiven sichtbar und wirksam werden.

Um den Graben wirklich zuzuschütten, müssen wir uns mit den vielen Männern zusammentun, die sich genau wie wir Veränderung wünschen.
Auch ihr leidet unter den verstaubten Rollenbildern des Patriarchats und seid kraftvolle Verbündete, wenn es darum geht, neue, gesunde Strukturen zu schaffen. Das macht mir Mut und gibt Zuversicht.
Es ist schon viel geschafft und es gibt noch mehr zu tun! Das Perpetuum Mobile des Patriarchats lebt von Gleichförmigkeit. Jeder bunte Punkt, jede Stimme, die heraussticht, ist ein Anfang, der das Muster stört und Neues wachsen lässt. Insofern: Weitermachen!

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Johanna

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Organisationsgestaltung
Tomppert Walter-von Klitzing
Dipl. Psychologin MBA – Dipl. Kommunikationswirt PartG

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